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Die Abtei St. Martin, Trier 

ehemalige Benediktinerabtei St. Martin, Foto: Berthold Werner CC BY-SA 3.0

Die ehemalige Trierer  Abtei St. Martin entstand vermutlich  im 6. Jahrhundert entstanden. Die Klosteranlage soll aus einer von Martin von Tours (noch heute verehrt als St. Martin) im 4. Jahrhundert gegründete Kirche zurückgehen. Die Abtei  wurde wahrscheinlich bereits vor dem  10. Jahrhundert  von  Mönchen des Benediktinerordens übernommen. Einst gehörte das Kloster zu den größten Abteien der Stadt Trier. Die Abtei lag im Nordwesten der Trierer Innenstadt am Moselufer.

   

Geschichte

Martiunskirche

Der Überlieferung nach kam Bischof Martin von Tours (* 316/317; † 397 – jener »Sankt Martin«, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte) mehrfach nach Trier, das erste Mal im Jahr 371, bereits kurz nach seiner Bischofsweihe.

Abtei und Kirche um 1750, im Vordergrund die Martinsmühle

Hierbei soll er den vom Teufel besessenen Knecht des Trierer Prokonsul Tetradius geheilt haben. Tetradius trat danach zum christlichen Glauben über. Er soll dann im Jahr 385 sein Haus vor den Toren der Trierst zur Verfügung gestellt haben, »damit Martin dort eine Kirche zu Ehren des heiligen Kreuzes gründen konnte«.

Bischof Martin selbst soll auf dem Gelände an der Mosel, das noch für Jahrhunderte außerhalb der Stadtmauern liegen sollte,  eine Kapelle gegründet haben, bei der auch christliche Bestattungen stattfanden.

Tatsächlich besuchte Martin im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über die Anklage und Hinrichtung des Priscillian, des häretischen Bischofs von Avila,  mehrfach den römischen Kaiser Maximus in Trier, unter anderem im Jahr 386.

Im Jahr 1943 fand man bei Notgrabungen für einen Luftschutzkeller auf dem Gelände des ehemaligen Martinsklosters Fußböden und Mauern eines großen römischen Wohngebäudes aus dem 4. Jahrhundert.  Darin fanden sich Gräber mit Grabbeigaben aus dem 4. bis 7. Jahrhundert.

Die Überlieferung mit ihren legendenhaften Details kann dadurch zwar nicht bewiesen werden, die Funde sprechen aber immerhin mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit für die Gründung der ursprünglichen Kirche durch Martin selbst.

Während der Völkerwanderungszeit im 5. Jahrhundert wurde diese dem ›Heiligen Kreuz‹ geweihte Kirche verwüstet. 

Um 587 wurde vom Trierer Bischof Magnerich (auch Magnericus, * 573; † 596) an selbiger Stelle die »Martinskirche« errichtet. Aus der Kirche entstand später die Abtei . Es ist jedoch nicht sicher nachweisbar, ob bereits Magnerich Benediktiner dorthin berief. sind nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass Magnerich in der Martinskirche beigesetzt worden ist. 

             

Abtei St. Martin

Martinskloster um 1600

Im April 882 (zu Ostern) wurde die Abtei bei dem Normanneneinfall auf Trier zumindest teilweise zerstört. 899 setzte Erzbischof Radbod von Trier (* 883; † 915) den aus der Abtei Prüm entlassenen Abt Regino (* um 840; † 915) als Abt von St. Martin ein und beauftragte diesen mit der Wiederrichtung des Klosterwesens.

Nach Radbods Tod ( † 30. März 915)  kam das Kloster, wie auch noch andere Klöster im Trierer Raum, in den Besitz des Herzogs Giselbert von Lothringen (* 928; †939). Unter Erzbischof Theoderich I. (* 965; † 977) kam das Kloster wieder zurück zur trierischen Kirche.

Im Jahre 975 wurde das Kloster von Erzbischof Theoderich wieder seiner Bestimmung übergeben und die Rechte wieder hergestellt. Dem Konvent wurde die freie Abtwahl zugestanden. Aus dem gleichen Jahr stammt auch eine Urkunde Kaiser Ottos II., nach welcher er die wiederhergestellte Abtei St. Martin bestätigte und unter seinen Schutz nahm.

Der Vorgänger Theoderichs, Erzbischof Heinrich I. (* 956; † 964), hatte der Abtei ›achtzig Mansus Land‹ entzogen und nach der Vertreibung der Mönche Kanoniker (Chorherren) eingesetzt. ›Chorherren‹ waren Angehörige eines Ordens, der nicht nach der in Klöstern geltenden Ordensregel des Benedikt von Nursia, sondern nach anderen Ordensregeln lebte (z. B. Prämonstratenser).

Zu den 975 genannten Besitztümern der Abtei St. Martin gehörte die Kirche St. Viktor (1443 zerstört) mit allem Zubehör: Sivenich (Siuinic), Kommlingen (Cumelanch) und Beßlich (Bessilich); die Kirche St. Symphorian (nach 1393 verfallen) mit Zubehör; Lorich (Lorchen) und Sirzenich (Sarceni); die Gutsbezirke Irsch (Erche), Hockweiler (Hocuuilre), Korlingen (Corlanch) und Ockfen (Occava).

Erzbischof Hillin schenkte 1168 der Abtei Ländereien bei Wehlen, Graach und Zeltingen und bestätigte alle Rechte. 

Stich von Merian, Ansicht von 1548

Neben den bereits 975 genannten Besitzungen wurden genannt: Das Dorf Pallien, »zu Pfalzel drei Mansus Land, in Wiltingen einen Mansus, einer zu Lonebach, einer zu Dudeldorf« sowie verschiedene kleinere Besitzungen.

Im 10. Jahrhundert befand sich das im 9. Jahrhundert in Tours geschriebene »Strahov-Evangeliar« im Besitz der Abtei, wo dieses vom Meister des »Registrum Gregorii« überarbeitet und verziert wurde. Über das Kloster Steinfeld kam die Handschrift 1143 nach Strahov (Prag).

Auf den Neubau der Klosterkirche am Ende des 11. Jahrhunderts folgte bis zum 13. Jahrhundert die wirtschaftliche Blütezeit des Klosters. Die mittelalterliche Trierer Stadtmauer wurde bis an das Kloster gebaut, und in seiner unmittelbaren Nähe wurde das ›Martinstor‹ errichtet.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kloster kontinuierlich erweitert; ein Dormitorium (1506) sowie der heute noch bestehende Westflügel des Abteigebäudes mit der Spätrenaissancefassade an der Moselseite (1626, Erweiterung 1735) wurden erbaut.

              

Säkularisation, Porzellanmanufaktur

Relief des Hl. St. Martin am Klostergebäude, Foto: Berthold Werner CC BY-SA 3.0

Während der Französischen Revolution wurde Trier am 9. August 1794 von französischen Revolutionstruppen besetzt. 1801 wurde das linke Rheinufer Teil der ›Französischen Republik‹ (Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801).

Am 15. März 1802 erfolgte durch den Präfekten des ›Saardepartements‹ die Aufhebung der Abtei und die Beschlagnahme des gesamten Vermögens. Die noch übrigen sechs Geistlichen wurden pensioniert.

1804 erfolgte die Versteigerung des Klosters. Die Kirche und verschiedene Gebäude inklusive des Dormitoriums wurden abgerissen. 

Im Übriggebliebenen Westflügel wurde 1807 von Christian Deuster eine Porzellanmanufaktur eingerichtet. Der Brennofen  befand sich in der Krypta. 1813 wurde die Manufaktur aufgegeben und, nachdem Trier 1815 (Wiener Kongreß) an Preußen gekommen war, 1816 von Peter Marx wieder in Betrieb genommen. Die Fabrik ist dann schließlich um 1824 eingegangen.     

                                 

                                   Abteigebäude

Kreuzgruppe am ehem. Kloster St. Martin, Foto: Berthold Werner CC BY-SA 3.0

Heute erhalten ist nur noch der Westflügel des Abteigebäudes im Stil der Spätrenaissance. Daneben steht die Kopie einer spätgotischen Kreuzigungsgruppe (1498), deren Original in der Kirche St. Paulus steht. 

     

Heutige Nutzung

Der Westflügel des Abteigebäudes aus dem 17. Jahrhundert nach längerem Leerstand 1972 kernsaniert und mit einem im gleichen Jahr errichteten Neubau zu einem Studentenwohnheim umfunktioniert. Der Neubau wurde hufeisenförmig an den geraden Altbau angebaut, sodass zwischen den Gebäuden ein Innenhof entsteht, in welchem eine mächtige Rotbuche (Naturdenkmal) steht. 


Quellen: klosterlexikon-rlp.de, de.wikipedia.org, katholischglauben.info, heiligenlexikon.de, bistum-trier.de, deacademic.com, gr-atlas.uni.lu